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Wärmepumpen

Praxisbericht: Entscheidungskriterien beim Wechsel von Gas/Öl auf Wärmepumpe 

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2026
Lesedauer: 6 Minuten
© Oliver Hasselluhn / istockphoto.com

Der Abschied von fossilen Brennstoffen ist für viele Eigenheimbesitzer keine Frage des „ob“ mehr, sondern des „wann“ und „wie“. Während im Neubau die Wärmepumpe längst Standard ist, herrscht im Bestand oft Unsicherheit. Lohnt sich der Umstieg auch im unsanierten Altbau? Welche baulichen Hürden gibt es wirklich? 

In diesem Praxisbericht beleuchten wir die zentralen Entscheidungskriterien von der Wirtschaftlichkeit bis zum Installationsaufwand und zeigen auf, worauf es beim Wechsel von Gas oder Öl auf eine Wärmepumpe ankommt. 

Wirtschaftlichkeit: Investition vs. Betriebskosten 

Die Anschaffungskosten einer Wärmepumpe liegen mit ca. 25.000 bis 45.000 Euro deutlich über denen einer Gasheizung. Warum lohnt es sich trotzdem? 

Förderung als Gamechanger 

Im Jahr 2025 und 2026 sind die Förderbedingungen in Deutschland so attraktiv wie nie zuvor. Über die KfW können Eigenheimbesitzer bis zu 70 Prozent Förderung erhalten: 

  • 30 % Grundförderung für den Umstieg auf erneuerbare Energieträger 
  • 20 % Klimageschwindigkeits-Bonus für den frühzeitigen Austausch (besonders bei alten Öl- oder Gasheizungen) 
  • 30 % Einkommens-Bonus für Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen unter 40.000 Euro pro Jahr (Hinweis: Die Gesamtförderung ist auf 70 Prozent bzw. maximal 21.000 Euro Zuschuss gedeckelt) 

Betriebskosten im Blick 

Die Wirtschaftlichkeit steht und fällt mit der Jahresarbeitszahl (JAZ). Eine JAZ von 3 bedeutet, dass aus einer kWh Strom drei kWh Wärme erzeugt werden. Da die Preise für CO2-Zertifikate für fossile Brennstoffe in den kommenden Jahren stetig steigen, verschiebt sich der Kostenvorteil immer weiter zugunsten der Wärmepumpe, insbesondere wenn eine eigene Photovoltaik-Anlage den Strom liefert. 

Wichtig ist zudem die Wahl des geeigneten Systems. Für Bestandsbauten haben sich vor allem Luft-Wasser-Wärmepumpen bewährt. Als Monoblock-Modelle haben sie einen geringen Platzbedarf und lassen sich innerhalb weniger Tage installieren.  

Zukunftssicher Heizen mit einer Wärmepumpe  

Es zahlt sich aus, hier auf Qualität zu setzen. Modelle, die bereits seit einiger Zeit auf dem Markt sind, wurden etwa von Stiftung Warentest ausgiebig getestet. Vor der Auswahl bieten entsprechende Testergebnisse wichtige Hinweise darauf, welche Geräte sich in der Praxis bereits bewährt haben. Um zukunftssicheres Heizen mit einer Wärmepumpe zu planen, lohnt es sich also, die Aspekte Installation, Kosten & Förderung frühzeitig zu berücksichtigen.

Das Raumkonzept: Platzbedarf und Aufstellung 

Ein oft unterschätzter Faktor ist der physische vorhandene Platz. Während eine Gastherme meist kompakt an der Wand hängt, benötigt ein Wärmepumpensystem mehr Raum: 

  • Außenbereich: Luft-Wasser-Wärmepumpen benötigen einen Stellplatz im Freien. Hier sind gesetzliche Abstandsregelungen (meist 3 Meter zur Grundstücksgrenze) und Schallschutzvorgaben (TA Lärm) zu beachten. In eng bebauten Gebieten bieten sich Split-Geräte an, bei denen der lautere Teil außen und die Hydraulik innen verbaut wird. 
  • Innenbereich: Da Wärmepumpen mit niedrigeren Temperaturen arbeiten, ist ein Pufferspeicher sowie ein Warmwasserspeicher notwendig. Wer von Öl auf Wärmepumpe umsteigt, profitiert hier: Der durch die Entsorgung der Öltanks freiwerdende Raum bietet meist mehr als genug Platz für die neue Technik. 

Der Installationsaufwand: Technik-Check im Bestand 

Die größte Sorge vieler Besitzer ist das Gerücht, man müsse für eine Wärmepumpe das ganze Haus aufreißen, um eine Fußbodenheizung nachzurüsten. Die Praxis zeigt: Das ist oft nicht nötig. 

Der Vorlauftemperatur-Test 

Eine Wärmepumpe arbeitet dann effizient, wenn die Differenz zwischen Außenquelle und Heizwassertemperatur (Vorlauf) gering ist. Als Faustregel gilt: Reicht an kalten Tagen eine Vorlauftemperatur von 50 bis 55 Grad aus, um das Haus warm zu halten, ist das Gebäude „wärmepumpenbereit“. 

Tipp: Testen Sie es selbst aus, indem Sie die Vorlauftemperatur Ihrer aktuellen Gas- oder Ölheizung an einem Wintertag probeweise auf 50 Grad begrenzen. Bleiben die Räume gemütlich, steht dem Wechsel technisch nichts im Weg. 

Heizkörper optimieren statt austauschen 

Oft reicht es aus, lediglich einzelne, zu kleine Radiatoren durch spezielle Niedertemperatur-Heizkörper oder großflächige Plattenheizkörper zu ersetzen. Dies ist ein minimalinvasiver Eingriff im Vergleich zu einer kompletten Flächenheizung.  

Wann lohnt sich der Wechsel? 

Ob die Wärmepumpe die optimalste und effizienteste Lösung ist, hängt immer von mehreren individuellen Faktoren ab. Ein Wechsel lohnt sich vor allem, wenn diese Punkte zutreffen: 

  • Die alte Heizung ist älter als 15-20 Jahre (Nutzen des Geschwindigkeits-Bonus). 
  • Das Haus hat einen soliden energetischen Grundzustand (gedämmte oberste Geschossdecke oder Fenster mit Doppelverglasung) oder wird im Zuge der Sanierung zusätzlich gedämmt. 
  • Die Vorlauftemperatur kann unter 55 Grad gesenkt werden. 

Der Umstieg von Gas oder Öl auf die Wärmepumpe ist im Bestand kein Experiment mehr, sondern eine technisch ausgereifte Lösung, die bei richtiger Planung den Immobilienwert steigert und langfristig Heizkosten spart. 



Fazit: Wärmepumpe als langfristige und zukunftssichere Heizlösung für Bestandsbauten

Der Umstieg von Gas oder Öl auf eine Wärmepumpe ist heute keine Zukunftsvision mehr, sondern eine praxiserprobte Alternative – selbst für unsanierte Bestandsbauten. Dank attraktiver Förderungen, sinkender Betriebskosten durch hohe Jahresarbeitszahlen und effizienter Installationstechniken lassen sich die höheren Anschaffungskosten ausgleichen.

Entscheidend sind dabei die richtige Wahl des Systems, die Prüfung der Vorlauftemperatur und die Berücksichtigung des Platzbedarfs. Wer diese Faktoren beachtet, kann nicht nur seine Heizkosten langfristig senken, sondern auch den Wert der Immobilie steigern und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

FAQ zum Thema Umstieg auf eine Wärmepumpe im Altbau

Welche Kosten kommen bei der Anschaffung und Installation einer Wärmepumpe im Bestand auf mich zu?

Die Anschaffungskosten liegen zwischen 25.000 und 45.000 Euro, abhängig von Systemgröße, Gebäudetyp und Installationsaufwand. Förderungen durch KfW und BAFA können bis zu 70 Prozent der Kosten abdecken, maximal 21.000 Euro. Die langfristigen Einsparungen bei den Betriebskosten gleichen die Investition häufig aus.

Lohnt sich der Umstieg auf eine Wärmepumpe auch bei unsanierten Altbauten?

Ja, unter bestimmten Bedingungen: Das Haus sollte einen soliden energetischen Grundzustand haben, die Vorlauftemperatur der Heizung sollte unter 55 Grad liegen, und eine teilweise Modernisierung der Heizkörper kann nötig sein. In Kombination mit Photovoltaik wird der Betrieb besonders kosteneffizient.

Wie viel Platz benötigt eine Luft-Wasser-Wärmepumpe für die Aufstellung?

Außen benötigt die Wärmepumpe einen Stellplatz mit mindestens drei Metern Abstand zur Grundstücksgrenze und die Einhaltung von Schallschutzvorgaben. Innen muss für Pufferspeicher und Warmwasserspeicher ausreichend Platz vorhanden sein – oft kann der Raum alter Öltanks genutzt werden.

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.